innside of life

Africa news II
 
Hier ist ein Tag so saumäßig schön, wie manche Momente furchtbar sind!
Gestern haben wir einen afrikanischen Strandausflug gemacht, Melanie aus dem Institut, ihre Gastfamilie und ich. d.h. : mind. 2 Taxiladungen von Leuten in einem Taxi untergebracht, ein ganzes Festmahl unterm Arm geklemmt. Maman ist erst einmal eine Stunde später zum Taxitreffpunkt getrudelt, weil sie noch so viel kochen musste. Ich habe das Gefühl, man geht nirgendwo länger als eine Stunde hin, ohne mindestens ein komplettes Abendessen im Gepäck. Melanie und ich waren natürlich wieder die einzigen, die Schwimmen gegangen sind. Maoli, Melanies Freund hat mir erklärt, dass ein Kind, das Schwimmen geht, seinen Eltern signalisiert, dass es sie verlassen wird. Weil die Togoer, die nicht schwimmen können, was die Mehrheit ist, davon ausgehen, dass das Meer sie einfängt und nicht mehr hergibt. 
Nach und nach trauten sich dann doch ein paar Familienmitglieder sich samt ihrer Klamotten an den Strand zu legen und sich immer wieder von den Wellen überspülen zu lassen. Was anderes kann man hier auch kaum machen, weil die Strömung wirklich unglaublich stark ist.
Die Leute hängen einfach so am Strand rum und picknicken, in angemessenem Sicherheitsabstand vom Wasser. Vorbei läuft alles, was das Herz begehrt. Taschentücher, Orangen, Flipflops... Orangen sind hier übrigens der Hit. Sie werden ganz dünn geschält, oben ein Loch hineingeschnitten und dann ausgelutscht. Den ganzen Tag gibt es auf der Straße vor dem Institut also frischen Orangensaft.
Später sind Melanie und ich am Strand geritten, Barfuß... Yeah!
Nur, dass den Tieren die Knochen unter dem Fell hervorstehen und meines sogar im Maul blutete. Die „Reiterjungs“ treiben die Tiere den ganzen Tag im Galopp über den Strand bis jemand schreit, dass er reiten möchte und dann wird der Preis verhandelt. 
Am Strand vegetieren aber auch die Obdachlosen und Geisteskranken vor sich hin.
Als ich die Maman fragte, was mit der Frau sei, die da seit Stunden in der Sonne lag und total weggetreten wirkte oder ein ziemlich abgemagerter Mann, der sich versuchte im Meer zu waschen, sagte sie nur: die sind nicht normal. Das ist ein großes Problem hier, dass Behinderte und psychisch Kranke keine Akzeptanz finden und meistens von ihren Familien versteckt werden. Neulich hat eine Frau ihr Projekt bei uns vorgestellt, die Behinderte betreut und nun mit ihnen eine Theateraufführung im Institut plant, um in der Öffentlichkeit zu zeigen, qu’il peuvent faire des choses.
Natürlich gibt es auch einen eingezäunten „Crystal Plage“, zu dem nur Reiche Togoer und Weiße Eintritt bekommen. Schattenplatz für 4000, wer in der Sonne bleibt, spart 2000. Als Vergleich: Melanies Familie lebt ca. eine halbe Stunde vom Strand. Das Taxi hin- und her hat für alle 3000 gekostet.

 Na dann, wünsche ich den Iberoverrückten ein schönes Wiedersehen und uns Normalos nicht allzuviel Sehnsucht!

Lasst mal wieder von Euch hören! 
 
 

17.9.07 09:55

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Vicky (24.9.07 05:15)
Hey Masch! I like your Schreibstil!
Und coole News! WI gehts dir so? Schreib mal ne mail! Besitos!


(28.9.07 12:06)
Mascha, bin doch mal gleich deinem Rat gefolgt und habe mir deine Erlebnisberichte durchgelesen. Das hört sich ja alles sehr abwechslungsreich und spannend an. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch anstrengend sein kann - eben alles so richtig afrikanisch. Hoffentlich ist deine Malaria schon wieder besser. Wie lange bleibst du eigentlich da? Bist du Rauschi im Skype oder ist das deine Family?

Beijinhos von Bontje

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen